Sind wir mal ganz ehrlich, die HipHop-Produzenten in Deutschland bekommen noch immer zu wenig Aufmerksamkeit für die Arbeit, die sie vollbringen. Dabei ist das aktuelle Niveau auf dem sie sich bewegen mindestens gleichzusetzen mit dem amerikanischen Markt, betrachtet man die Soundästhetik. Ob das fehlende Interesse an dem Medien, den Rappern oder den Produzenten selbst liegt ist hier nicht klar definierbar. Eins ist dennoch klar, die Liste der Produzenten, denen mehr Präsenz gebührt, ist lang. Angefangen bei A wie Abaz Music über K wie KD-Beatz bis Z wie ZH Beatz.
Irgendwo dazwischen wird auch sicherlich der Name „X-Plosive“ auftauchen. Der Chemnitzer muss sich und der Welt bereits mit seinen 28 Jahren nichts mehr beweisen. Dafür ist die Liste der Künstler und Songs, die er produziert hat, schon zu lang. Und das sind längst nicht alle. Mehrere Platin- und goldene Schallplatten sowie unzählige Nummer-eins Alben kann er schon jetzt sein Eigen nennen und ein Ende ist noch lang nicht in Sicht.
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Wir wollen euch in diesem Interview einerseits X-Plosive vorstellen andererseits auch das Produzentendasein in Deutschland etwas näher durchleuchten:
Hallo X-Plosive, vielen Dank für das Interview – wir freuen uns, dass du die Zeit gefunden hast uns einige Frage zu beantworten.
Du kommst gerade aus der Türkei. Darf man fragen, ob der Aufenthalt privater oder geschäftlicher Natur war?
Klar darfst du, der Aufenthalt war privater Natur. Ich habe in letzter Zeit an vielen Sachen gearbeitet und mir einfach mal paar Tage Auszeit gegönnt. Jetzt geht es weiter!
Ich würde gerne einige Themen aus der Produzentenrunde von 16Bars.de mit Abaz, Cubeatz, Joshimixu, Jumpa und KD-Beatz aufgreifen, da du aus gesundheitlichen Gründen leider nicht daran teilnehmen konntest: Du hast mit eine gemeinsame Benefiz-Compilation mit dem Titel „Beats 4 Aid“ veröffentlicht. Der Markt für HipHop-Produzenten in Deutschland ist nicht besonders groß bzw. läuft noch sehr oft auf Vetternwirtschaft ab, verspürt man da nicht eher Konkurrenzgedanken, anstatt Freundschaften untereinander zu knüpfen?
Ich denke einen gesunden Konkurrenzgedanken gibt es überall, auch in anderen Branchen. Das ist ganz normal und manchmal auch gut so weil es in gewisser Weise auch Ansporn ist. Aber in unserem Fall ist das alles sehr entspannt. Jeder von den Jungs geht erfolgreich seinen Weg. Wir kennen uns teilweise schon seit Jahren, da haben sich natürlich auch Freundschaften gebildet und man arbeitet gemeinsam an Projekten. Häufig erreicht man gemeinsam sogar noch mehr und es macht einfach Spaß.
Betrachtet man deinen „Produktions-Katalog“ auf deutschen Releases stellt man fest, dass es hauptsächlich Produktionen für „Straßen- und Gangsterrapper“ wie Bushido, Kollegah, Fler oder Silla. Woran liegt das?
Das hat sich so ergeben. Ich habe mit Hiphop Beats angefangen und das schon immer geliebt. Allerdings arbeite ich auch an Pop Sachen und möchte das gern auch in Zukunft noch mehr machen. In Frankreich hat das mit Produktionen für Pop Künstler wie Matt Pokora oder Amel Bent auch schon ganz gut geklappt. Hier in Deutschland bin ich auch an einigen Projekten dran.
Was zeichnet deinen Sound besonders aus?
Das ist eine Frage, die wohl nur Hörer wirklich beantworten können. Ich mach einfach das wonach ich mich fühle und worauf ich gerade Lust habe. Das ist dann auch mein Sound.
Kommen die Künstler auf dich zu wünschen sich diesen besonderen „x-plosive“ Sound oder bist du mehr Dienstleister als Künstler? Musst du dich gewissen Trends wie z.B. Trap hingeben um nicht an Relevanz zu verlieren?
Ich glaube, man lässt sich ganz automatisch manchmal zu Trends hinreißen, weil es einen bewusst oder unbewusst beeinflusst. Was Anfragen angeht muss man allerdings dann selbst abschätzen wie sehr man sich darauf einlässt. Meiner Erfahrung nach ist es immer das Beste wenn man darauf gar keine Rücksicht nimmt und einfach das macht worauf man selbst Lust hat. Wenn das gerade im Trend liegt umso besser.
Ist es der fehlende Mut oder eine fehlende „Musiksozialisierung“, weswegen in Deutschland selten neue Stiles „geboren“ werden?
Das lässt sich nicht so pauschal beantworten. Aber ich glaube manchmal fehlt einfach der Mut zu etwas eigenem.
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Wie lange wird es noch dauern, damit Deutschrap einen eigenen Sound entwickelt hat und nicht mehr nach Amerika oder Frankreich schauen muss?
Ach ich glaube generell muss Deutschrap da zu niemanden schauen. Es gibt mittlerweile auch hier gute und etablierte Künstler.
Dein Produzentenkollege Jumpa hat vor einem halben Jahr mal die seiner Meinung nach ungerechte Profitverteilung für Produzenten offen gelegt. Nach seiner Aussage bekommt der Produzent in den seltensten Fällen Anteile aus den Verkäufen, sondern nur „pauschales“ Handgeld mit dem er sich wohl oder übel zufrieden geben muß um nicht durch eine billigere Produktion ersetzt zu werden. Weitere Einnahmequellen wie Merchandise und Auftritte fallen weg. Wird der Produzent in der Deutschrap-Szene zu wenig wertgeschätzt oder wo liegt das Problem?
Das Problem ist, dass Produzenten hierzulande kein Argument für mehr verkaufte Platten sind. Das ist in Amerika in manchen Fällen anders, weil die Produzenten wie Timbaland, Swiss Beatz und Co. als eigenständige Künstler gepusht werden. Hier in Deutschland arbeiten fast alle Produzenten eher im Hintergrund.
Ist dies nur in Deutschland so oder auch für amerikanische oder französische Produzenten ein Problem?
Ich denke, das Problem gibt es auch woanders. Allerdings gibt es dort häufiger Ausnahmen. Ich denke dabei spontan an Leute wie Lex Luger, die einen riesigen Hype hatten und wohl vielen bekannt sind.
Ist der deutsche Produzent zu wenig „Rampensau“ um sich selbst zur Marke zu machen und welchen Einfluss hat der Rapper darauf, was kann er dafür tun?
Ich glaube, das fängt bei Kleinigkeiten wie der Erwähnung in Youtube-Titeln an. Ich denke, wenn es dort selbstverständlich wäre den oder die Produzenten zu nennen würde das schon etwas bringen. Manche Künstler achten darauf auch bereits gut, bei anderen gibt’s denk ich noch Potential. Generell können die beteiligten Produzenten gern auch in Interviews usw. mit erwähnt werden. Am Ende liegt es zum Teil aber auch an jedem Produzenten selbst wie man sich in der Öffentlichkeit darstellt und welchen Wert man darauf legt.
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Apropos USA und Frankreich: Du hast dir bereits international schon einen Namen gemacht und für Künstler wie Booba, Crooked I, Rohlf Soprano etc. produziert. Spielen dabei auch Publishing-Deals eine Rolle um überhaupt erst die Aufmerksamkeit dieser Künstler zu bekommen?
Nein gar nicht, denn ich habe bisher keinen einen Publishing Deal unterzeichnet. Ich glaube viel wichtiger ist es fokussiert zu bleiben und mit Leuten zu arbeiten, die genauso motiviert sind wie man selbst.
Wie stehst du generell zu solchen Deals? Die bereits angesprochene Vetternwirtschaft in Deutschland steht nüchtern betrachtet mit einen solchen Deal in einem Widerspruch, oder?
Für diese Frage bin ich der falsche Ansprechpartner, ich stand solchen Deals bislang meist etwas kritisch gegenüber. Das muss aber auch jeder immer im Einzelfall entscheiden und abwägen was ein solcher Deal für ihn selbst mit sich bringt. Ich versuche da auch nach wie vor offen für alles zu bleiben.
Auf welchen Ebenen zahlt sich eine solche internationale Produktion aus? Finanziell? Bekanntheitsgrad?
Beides.
Gibt es schon spruchreife Produktionen, die in naher Zukunft von dir erscheinen werden?
Die nächste Zeit kommt so einiges. Ich habe auf dem neuen Album von Soprano eine Produktion, da habe ich die erste Single produziert. Auch für Booba habe ich wieder produziert, das Video zur Single „3G“ ist zuletzt erschienen und wird auch auf dem kommenden Album drauf sein. Ansonsten kommt auch in Deutschland wieder so einiges, u.a. mit Metrickz oder Silla.
Was war die skurrilste Beat-Beschreibung, die du jemals erhalten hast?
Da gibt es echt so einige. Am besten sind die bei denen völlig gegensätzliche Richtungen durcheinander gebracht werden. Das ist alles aber noch ganz lustig. Schlimm finde ich eigentlich nur die Beschreibungen bei denen etwas klingen soll wie Song xyz der gerade auf Platz 1 in den Charts ist.
Vielen Dank für das Interview.
2 Comments
[…] in eine andere Richtung: Straight gerappte Battle-Lyrics, die dank einem Beat von X-Plosive (Interview) gut nach vorne gehen und einer astrein gesungenen Französisch-Hook vom multitalentierten Wiener, […]
[…] die beste. Eingerahmt wird alles von einem klassischen Piano-Beat für den sich Abaz und X-plosive (Interview) verantwortlich zeigen und einer Hook von Adesse, die gut ins Ohr geht. Das Video lässt die […]